Warum werden die Konstruktionslinien zu lang gezeichnet?

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Chipsie
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Warum werden die Konstruktionslinien zu lang gezeichnet?

Beitrag von Chipsie »

Hallo Bernhard,

ich habe mir deine Anleitung für die Erstellung eines Durchbruchs angeschaut. Mir sind dabei olgende Punkte aufgefallen:

Du zeichnest prinzipiell jede Linie zu lang.

Das macht Sinn, wenn man freihändig skizziert und vermeiden will, dass die Ruckler nicht in der Zeichnung erscheinen. Allerdings kostet das natürlich sehr viel Zeit und ist deshalb möglichst zu vermeiden. Gerade dann, wenn Messmittel zum Einsatz kommen und genau das ist bei deiner Übung der Fall.

Warum zeichnest du also die Linien länger ? :D

Den Durchbruch erzeugst du letztendlich über vier Linien (Länge unbekannt) und der Parallelverschiebung des Rechtecks.

Zielführend wäre wohl die typische vorgehensweise, nämlich dass zuerst die Parallelverschiebung durchgeführt wird oder ist mir was entgangen ? :D

Grüße

Chipsie
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Bernhard
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Re: Warum werden die Konstruktionslinien zu lang gezeichnet?

Beitrag von Bernhard »

Hallo Chipsie,

meine Vorgehensweise ist das Ergebnis der Summe meiner Erfahrungen und da macht halt jeder andere. :)

Warum Linien länger? Weil ich dafür für einen Grundkörper mit Stufe nur genau 5x messen muss und ansonsten flott zeichnen kann. Ich habe ehrlich gesagt noch keinen Zeichner gesehen, der jede Linie in der Länge auf den mm genau zeichnet und dann auch noch schnell und genau ist. Dafür muss man natürlich Linien so dünn zeichnen können, dass sie später kein Problem darstellen. Die Schüler, die von Anfang an jede Linie genau so lange zeichnen wie sie ist sind entweder viel zu langsam oder bekommen keine Punkte bei Zeichengenauigkeit weil am Schluss durch das ganze Gemesse sich viel zu viele Winkelfehler eingeschlichen haben.

Durchbruch? Ich kenne da 3 Methoden und alle haben so ihre Vor- und Nachteile. Ich habe mich schon mit allen 3 Methoden an den Schülern versucht und aktuell bin ich halt grad bei der. Sowas kann sich aber auch wieder ändern - da bin ich nicht festgefahren weil hier irgendwas typisch sein muss sondern weil ich einfach schau was am Besten funktioniert.

Wenn du das anders machst hab ich kein Problem damit - kannst ja gerne deine Zeichenschrittlösung mit deiner Vorgehensweise hochladen - ist dir niemand böse. :)

Viele Grüße
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Re: Warum werden die Konstruktionslinien zu lang gezeichnet?

Beitrag von Sabine »

Hallo Chipsie,

man bekommt einen exakten Schnittpunkt zweier Linien nur dann hin, wenn man sie "länger" zieht. Schließlich werden viele Punkte konstruiert und nicht gemessen.

Liebe Grüße, Sabine
Chipsie
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Re: Warum werden die Konstruktionslinien zu lang gezeichnet?

Beitrag von Chipsie »

Sabine hat geschrieben:Hallo Chipsie,

man bekommt einen exakten Schnittpunkt zweier Linien nur dann hin, wenn man sie "länger" zieht. Schließlich werden viele Punkte konstruiert und nicht gemessen.

Liebe Grüße, Sabine
Guten Tag,

das Argument ist nicht stimmig. Denn, wie es ja auch von Bernhard praktiziert wird, werden die dünn (und bei euch zu lang) gezeichneten Linien nachgezogen. Das nachziehen, wie überraschend, wird natürlich auf Soll-Maß durchgeführt. Demnach kann ein exakter Schnittpunkt erzeugt werden, ohne dass die Linie zu lang gezeichnet wird. Unabhängig davon werden die Linien bei Bernhard gemessen - und zwar nachdem sie gezeichnet wurden :P

Dein Argument greift nur, wie ich bereits sagte, wenn tatsächlich ohne Hilfsmittel gezeichnet wird. Aber auch hier führt man stehts Parallelverschiebung durch, weil

1. die Linie dann gleich schief wird (durch die Symetrie fallen aber Winkelabweichungen nicht sonderlich auf)
2. Die Linien exakt (und zwar auf ein, zwei mm) die gleiche Länge haben

Bernhard:

Du hast doch bei deinem Vorgehen spätestens bei Wellengeometrien ein Problem, weil dann deine hintere Ellipse über drei Orientierungspunkte (Mittelpunkt und deine zwei bereits gezeichneten Linien) gezeichnet wird. Das kriegt man mit einer Ellipsenschablone nicht ordendlich hin und Freihändig ist man dann immer dazu geneigt am Ende die Ellipse an die Linie hinzumurksen. Macht man dagegen die Parallverscheibung, dann muss wieder nicht radiert werden und es führt immer zum (also unabhängig der Komplexität oder Bauteils) Ziel :)

Ich glaube, dass ihr beiden sehr viel Wert auf eine qualitativ hochwertige Zeichnung legt. Ich denke aber, dass die Stärke einer händischen Zeichnung nur in der Schnelligkeit und der (überall mögliche) Durchführbarkeit gekennzeichnet ist. Z.B. eine Skizze im Kundengespräch, um ein Problem zu erklären.

Alles andere kann ja ein CAD-Programm besser.

Viele Grüße

Chipsie
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Re: Warum werden die Konstruktionslinien zu lang gezeichnet?

Beitrag von Bernhard »

Das nachziehen, wie überraschend, wird natürlich auf Soll-Maß durchgeführt. Demnach kann ein exakter Schnittpunkt erzeugt werden, ohne dass die Linie zu lang gezeichnet wird.
Mhm, vielleicht erklärst du uns mal zuerst wen du unterrichtest bevor wir hier aneinander vorbeireden. Die Begründung, dass unser Weg zum Ziel führt ist doch keine Begründung dafür, dass es auch geht wenn man die Hälfte von unserem Weg weglässt?
Unabhängig davon werden die Linien bei Bernhard gemessen - und zwar nachdem sie gezeichnet wurden?
Ich messe nicht "die Linien" sondern von vier Linien eine.
Ich denke aber, dass die Stärke einer händischen Zeichnung nur in der Schnelligkeit und der (überall mögliche) Durchführbarkeit gekennzeichnet ist. Z.B. eine Skizze im Kundengespräch, um ein Problem zu erklären. Alles andere kann ja ein CAD-Programm besser.
Keinerlei Widerspruch - volle Zustimmung. Ich sehe den Nutzen meines Unterrichts aber auch nicht darin und Wellengeometrien zeichnen meine Kids nicht. Sehr wohl werden sie aber in der 7. Klasse im händischen Skizzieren ohne Lineal geübt und arbeiten in der 8. bis 10 Klasse auch in CAD. Im Unterschied zu den CAD-Favorisierern stehe ich auf dem Standpunkt, dass durch die Problemlösung auf der Platte von Hand ein besseres Training ausgeht als durch CAD. Dort überwiegt die (sinnlose) Produktschulung.

Stichwort: Allgemeinbildung Ich bilde keine Technischen Produktdesigner aus. Die Schulung im Technischen Zeichnen dient u. a. der Steigerung des Räumlichen Vorstellungsvermögens. Durch die Wahl der Aufgabenstellung passend zum Niveau des Schülers (Übungstheke) erreicht man bei allen Schülern eine Verbesserung. Durch sein gesteigertes Raumvorstellungsvermögen ist er besser aufs Leben vorbereitet - und zwar in allen Lebensbereichen.
Dein Argument greift nur, wie ich bereits sagte, wenn tatsächlich ohne Hilfsmittel gezeichnet wird. Aber auch hier führt man stehts Parallelverschiebung durch, weil 1. die Linie dann gleich schief wird (durch die Symetrie fallen aber Winkelabweichungen nicht sonderlich auf) 2. Die Linien exakt (und zwar auf ein, zwei mm) die gleiche Länge haben
Zeichnen ohne Hilfsmittel (Skizze) ist für mich ein Bleistift und ein Blatt Papier. Da gibt es bei mir keine Parallelverschiebung (def: Lineal + rechter Winkel).

Ich glaube, du leitest aus einem Zeichenschritt-Abfolge-Blatt zuviel ab ohne wirklich etwas über meinen Unterricht, meine Inhalte und Schwerpunkte zu wissen.
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Chipsie
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Re: Warum werden die Konstruktionslinien zu lang gezeichnet?

Beitrag von Chipsie »

Guten Tag,
Mhm, vielleicht erklärst du uns mal zuerst wen du unterrichtest bevor wir hier aneinander vorbeireden. Die Begründung, dass unser Weg zum Ziel führt ist doch keine Begründung dafür, dass es auch geht wenn man die Hälfte von unserem Weg weglässt?
Ich unterrichte nicht. Doch, genau das sage ich. Sabine meinte ja, dass ohen zu lange Linien kein Schnittpunkt erzeugt werden kann. Daraufhin sagte ich, dass dieses nicht stimme, da man ja beim Nachziehen der Linien wieder den selben Schnittpunkt erzeugen muss. Das ist sehr theoretisch. Fakt ist aber, dass man die Linien nicht zu lang zeichnet, weil sonst kein ordendlicher Schnittpunkt erzeugt werden kann. :D
Keinerlei Widerspruch - volle Zustimmung. Ich sehe den Nutzen meines Unterrichts aber auch nicht darin und Wellengeometrien zeichnen meine Kids nicht. Sehr wohl werden sie aber in der 7. Klasse im händischen Skizzieren ohne Lineal geübt und arbeiten in der 8. bis 10 Klasse auch in CAD
Deine Kids werden aber Wellengeometrien zeichen müssen, wenn sie in den technischen Bereich gehen und genau dann kommt der Vorteil meiner (bzw. der Allgemeinheit) Vorgehensweise zum tragen. Ein weiterer Vorteil ist, dass mein Verfahren universell ist.

Deine Vorgehensweise scheint mir dagegen didaktisch schöner ... auch wenn ich in der Thematik völlig unbewandert bin ...
Ich glaube, du leitest aus einem Zeichenschritt-Abfolge-Blatt zuviel ab ohne wirklich etwas über meinen Unterricht, meine Inhalte und Schwerpunkte zu wissen.
Entschuldige Bernhard. Mir lag nichts ferner als dich zu kritiseren. Vorallem auch deshalb, da ich dein Engagment in diesem Forum klasse und außerordendlich lobenswert finde. Ich habe bloß eine Alternative aufgezeigt, die in der Praxis so (meines Wissens fast ausnahmslos) angewendet wird und die du ja offenbar auch schon kanntest. Demnach weisst du selbstverständlich am besten, welche Vorgehensweise nun für deine Schüler am geeignesten ist.

Einen Lehrer wie du, zumindest auf Basis des Engagment im Forum zu urteilen, darf man sich nur wünschen :D (... nur kriegt man ihn selten :P )

Grüße

Miaaaauuu
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Re: Warum werden die Konstruktionslinien zu lang gezeichnet?

Beitrag von Bernhard »

Danke für deine Anregungen, dein Lob und die Aufklärung. :D Ich bin momentan zu überzeugt von dieser Vorgehensweise um daran zu rütteln.
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Re: Warum werden die Konstruktionslinien zu lang gezeichnet?

Beitrag von Sabine »

Sorry Chipsie,

aber es ist nun mal so, einen Schnittpunkt kriegt man nur, wenn sich zwei Linien schneiden. Alles andere ist ein "Streifschuss". Bei der Konstruktion also die Linien länger zeichnen, bei der Nachzeichnung mit Tusche, dann nur bis zum Punkt. Zumindest hab ich es so in meiner Ausbildung gelernt.

Liebe Grüße, Sabine

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