Notwendigkeit des manuellen Zeichnens

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canykaddi
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Notwendigkeit des manuellen Zeichnens

Beitrag von canykaddi »

Hallo!

Ich muss eine Facharbeit über die Notwendigkeit des manuellen Zeichnens in der Schule schreiben. Also warum es wichtig, dass die Schüler das Skizzieren und Zeichnen auf der Platte lernen bevor sie ans CAD-Programm gehen. Bis jetzt hab ich nur so Punkte wie z. B. Förderung des Räumlichen Vorstellungsvermögen, sauberes exaktes Arbeiten, Umgang mit Zeichengeräten (Motorik) ... Aber darüber 10 Seiten schreiben?!

Warum denkt ihr, dass das Erlernen des manuellen Zeichnens wichtig ist? Oder gibt es auch welche die nicht dieser Meinung sind?

Ich freue mich wenn ihr mir ein bisschen helfen könnt :ja:

Liebe Grüße!
rauhalahti
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Re: Notwendigkeit des manuellen Zeichnens

Beitrag von rauhalahti »

Hallo,

Gründe kann man für alles konstruieren :D

Ich bin kein Fan von der Zeichenplatte. Ich verzichte so weit wie irgend möglich auf die Zeichenplatte im Unterricht. Um dem Lehrplan zu genügen zeige ich den Umgang mit den Werkzeugen und lasse die Schüler mal damit arbeiten. Ansonsten mache ich alle konstruktiven Verfahren und Arbeiten am PC. Es gibt meiner Meinung nach nur noch das Argument "sauberes Arbeiten", das man für die Platte und Bleistifte bzw. noch mehr für die Tusche und Transparentpapier anführen kann.

Jetzt kommt das große ABER: Ganz wichtig ist die Skizze. Sie ist der Schlüssel zum Lernerfolg. Die Idee muss vom Kopf erst mal aufs Papier. Und von dort hole ich mir die Infos, mit denen am PC konstruiert wird.

Die manuellen Konstruktionsverfahren (6eck-Konstruktion, 3-Tafel-Projektion, Raumbilder, etc etc kann ich im 2D-Bereich von SolidEdge genau so lernen wie auf der Zeichenplatte. Da ist definitiv kein Unterschied. Und danach habe ich im 3D-Bereich schon den sicheren Umgang mit dem System und tue mich auch da leichter.

Also: Händische Skizze super wichtig. Manuelles Zeichnen auf der Platte völlig überholt. Manuelle Konstruktionsverfahren im 2D-Bereich des CAD-Programms erlernen auch super wichtig. Und dann ab ins 3D und komplexe Problemstellungen lösen. So nah wie möglich an der Realität.

Gruß
Dieter
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Borcas
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Re: Notwendigkeit des manuellen Zeichnens

Beitrag von Borcas »

Gut, muss da jetzt ein wenig widersprechen. Vielleicht gibt es an der Realschule weniger Probleme als bei uns an den Hauptschulen, ABER:

Für unsere Schüler ist der Umgang mit dem CAD-System als solchem schon relativ anspruchsvoll. Genauso ist es mit dem Erlernen unterschiedlicher Konstruktionsvorgänge.

Wenn ich diese beiden Bereiche nun also zusammenwürfle, um dem Schüler das Konstruieren eines Körpers direkt am CAD zu vermitteln, ist das ziemlich heftig und überschreitet bei manch einem schnell die Leistungsgrenze.

Deshalb ist es gerade an der Hauptschule sehr wohl sinnvoll, zuerst die Konstruktionen auf der Platte zu erlernen, um sie später auf das CAD zu übertragen. Der Schüler kann sich auf diesem Weg zuerst auf die Regeln für die Konstruktion konzentrieren, bis er den Lernstoff wirklich erfasst hat. Anschließend kommt der Umgang mit dem CAD-System.

Die Argumente für "die Überflüssigkeit" der Zeichenplatte lassen sich abgesehen davon umdrehen und genauso auf das CAD anwenden. Wenn es nur um das Erlernen der Konstruktion geht, kann ich natürlich sagen, die Platte sei nicht wichtig, denn das kann ich am CAD auch machen. Umgekehrt kann ich auch auf das CAD verzichten, denn das reine Konstruieren kann ich auch auf der Platte erlernen. Für mich sind die beiden Methoden in der Schule in erster Linie unterschiedliche Herangehensweisen für ein gleiches Problem, die beide ihre Vorteile und Nachteile haben.

Übrigens: Wenn es nach den Berufsschulen ginge, würden wir in der Schule gar kein CAD verwenden. Die Berufsschullehrer wollen Schüler, deren räumliches Vorstellungsvermögen geschult ist, die skizzieren können (wie Dieter oben schon als wichtig herausgestellt hat) und die die gängigen Konstruktionsverfahren kennen und anwenden können. Alles was darüber hinaus benötigt wird, wird an der BS sowieso vermittelt und die BS-Lehrer sagen, lieber fangen sie von Null mit allen Schülern gleichzeitig an, als unterschiedliche Schüler mit unterschiedlichem Lernstand, die an unterschiedlichen CAD-Systemen ausgebildet wurden, erst einfangen zu müssen, um sie auf eine gemeinsame Leitlinie auszurichten.

Grüßle

Borcas
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Re: Notwendigkeit des manuellen Zeichnens

Beitrag von rauhalahti »

Es gibt ein absolut übergeordnetes Lernziel im TZ - egal ob an HS oder RS: die Förderung des räumlichen Vorstellungsvermögens. Darum gehts in TZ. Noch um ein paar Dinge dazu, aber in erster Linie ums räumliche Vorstellungsvermögen.

Und das erwirbt man am besten - wie fast alles andere auch - in der Realität. Da das nicht immer geht sollte man die Lernsituation so nahe wie möglich an der Realität platzieren. Also zum Beispiel ein Modell. Geht auch nicht immer. Die nächste Stufe wäre die virtuelle Realität. Das ist CAD (3D). Und erst danach - mit großem Abstand in der Effektivität - kommt die Zeichnung (Platte). Es gibt also wirklich kein Argument, auf CAD zu verzichten und stattdessen die Platte zu favorisieren.

@Borcas: Welches CAD-System verwendest du denn an der Schule? ;)

Und Berufsschullehrer waren bisher ausnahmslos begeistert von den TZ-Fähigkeiten und -Fertigkeiten sowie dem räumlichen Denkvermögen meiner ehemaligen Schülerinnen (Mädchen-RS). In Augsburg hatten wir auch eine fast lückenlose CAD-Anwendung von der HS über die RS und Berufsschule bis zur FH - alle mit SolidEdge. Lediglich die FOS war damals noch nicht mit dabei. Bin seit drei Jahren nicht mehr in Augsburg, deshalb kann ich zur FOS nichts aktuelles sagen. Aber eines ist klar: räumliches Vorstellungsvermögen erwerben die Schüler nicht mehr an der BS - das muss früher geschehen, also bei uns. Die Arbeitsweisen, die dann berufsspezifisch an der BS eingeübt werden (im Fachzeichnen), sind kein großes Problem, wenn das räumliche Denken sicher verfügbar ist.

Gruß
Dieter

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Dieter
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Borcas
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Re: Notwendigkeit des manuellen Zeichnens

Beitrag von Borcas »

Stimme mit dir vollkommen überein, was das räumliche Vorstellungsvermögen angeht. Und habe ja selbiges auch schon oben geschrieben. Räumliches Vorstellungsvermögen vermittle ich hauptsächlich durch die Anwendung von Modellen. Wie du selbst schreibst, ist dies der Realität am Nächsten. In einem solchen Fall ist CAD nicht mehr für das Erlernen der räumlichen Vorstellung unbedingt notwendig. Heißt nicht, dass ich CAD nicht für sinnvoll halte. Heißt nur, dass man anders argumentieren KANN. Ich persönlich arbeite sehr gern mit CAD, weiß aber auch um die Nachteile.

Nochmals möchte ich betonen, dass ich RS- und HS-Schüler nicht in einen Topf werfen kann. Die Vermittlung einer räumlichen Vorstellung MUSS bei uns vor allem über reale optische und haptische Reize passieren, da der Lernerfolg bei einer abstrakten Heranführung über virutelle Modelle am CAD gleich Null ist. Ist diese Stufe erst einmal überschritten, d. h. ist der Schüler überhaupt erst einmal in der Lage ein dreidimensionales Bild in ein zweidimensionales gedanklich zu übertragen, ist die Weiterführung dieser Techniken und Kenntnisse auf unterschiedliche Art möglich.

Du fragst, welches CAD-System ich verwende? Die Frage ist interessant, weil auch sie den Zwiespalt zwischen Konstruktion und räumlichem Vorstellungsvermögen zeigt.

Bisher haben wir ausschließlich mit AutoCAD gearbeitet. Ein System, an dem der Schüler genauso wie auf der Platte das Konstruieren von Grund auf Strich für Strich lernt. Vorteil: Erlernen der richtigen Konstruktion wie auf der Platte, aufziehen eines Körpers von der Grundfläche auf. Nachteil: Schulung des räumlichen Vorstellungsvermögens relativ gering, wie auf der Platte.

Inzwischen arbeiten wir auch mit SolidEdge. Vorteil: Räumliches Vorstellungsvermögen super, der Schüler bekommt von Beginn an das Verständnis vermittelt, wie sich ein Körper mit Veränderungen tatsächlich verhält. Nachteil: Konstruktion komplett ausgeklammert, da ein Körper schon als fertiges Objekt eingefügt und einfach Teile herausgenommen oder hinzugefügt werden. Wie und warum in diesem Fall beispielsweise Durchdringungskurven entstehen, begreift der Schüler an dieser Stelle nicht.

Also auch hier die gleiche Diskrepanz. Räumliche Vorstellung oder Konstruktion? Auf was lege ich mehr Wert? In Zukunft werden wir sicherlich mehr mit SolidEdge arbeiten, da die Schüler das Verstehen der räumlichen Vorgänge schneller erreichen. Dennoch ersetzt dies für mich nicht die Umsetzung vom dreidimensionalen Körper in ein zweidimensionales Bild und dies erreiche ich nach wie vor (denke ich) mit dem Zeichnen auf der Platte.

Abgesehen davon schadet es gerade unseren heutigen Schülern nicht, wenn sie einmal lernen, ordentlich, sauber und konzentriert an etwas zu arbeiten.

Viele GtB-Lehrer an der HS sind mittlerweile so von den schlampigen Arbeitsergebnissen auf der Platte frustriert, dass sie allein deshalb komplett zum CAD übergehen. Dies kann aber auch nicht der richtige Weg sein. Wenn wir den Schülern kein ordentliches Arbeitsverhalten in der Schule lehren, wer tut es dann?

Und wenn ihr keine ähnlichen Probleme mit der Berufsschule habt (abgesehen davon: 1. Wieder ging es um HS-BS und nicht um RS-BS / 2. Die Berufsschule beschweren sich nicht über unsere schlechte Arbeit, sondern darüber, dass wir ihrer Meinung nach ZU VIEL machen), dann freue ich mich für dich. Bei uns sieht das eben anders aus.
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Re: Notwendigkeit des manuellen Zeichnens

Beitrag von bunny »

Borcas hat geschrieben: Abgesehen davon schadet es gerade unseren heutigen Schülern nicht, wenn sie einmal lernen, ordentlich, sauber und konzentriert an etwas zu arbeiten.

Viele GtB-Lehrer an der HS sind mittlerweile so von den schlampigen Arbeitsergebnissen auf der Platte frustriert, dass sie allein deshalb komplett zum CAD übergehen. Dies kann aber auch nicht der richtige Weg sein. Wenn wir den Schülern kein ordentliches Arbeitsverhalten in der Schule lehren, wer tut es dann?
@ Borcas :zustimm: Du sprichst mir aus der Seele...
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Re: Notwendigkeit des manuellen Zeichnens

Beitrag von rauhalahti »

rauhalahti hat geschrieben: Es gibt meiner Meinung nach nur noch das Argument "sauberes Arbeiten", das man für die Platte und Bleistifte bzw. noch mehr für die Tusche und Transparentpapier anführen kann.

Hab ich was anderes behauptet?

Es kann aber auch nicht sein, dass wir - um den Schülern sauberes Arbeiten mit Stift und Lineal beizubringen - die besten Werkzeuge (SE) zur Bildung räumlichen Vorstellungsvermögens erst später oder gar nicht einsetzen.

Und wer´s auf meine Weise noch nicht probiert hat könnte das ja mal ein Schuljahr lang versuchen. Danach unterhalte ich mich gerne weiter über die Sache. (Irgendwie erinnert mich das an die Diskussionen zum Thema Fiella)

Gruß
Dieter
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Re: Notwendigkeit des manuellen Zeichnens

Beitrag von Borcas »

Richtig... erinnert mich auch an die Diskussion zum Thema Fiella.

Weil es etwas Neues gibt, ist alles Althergebrachte plötzlich schlecht...
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Re: Notwendigkeit des manuellen Zeichnens

Beitrag von rauhalahti »

Wortverdreher! :box:

Ich wollte damit sagen, dass ich über Fiella nicht urteile solange ich es nicht versucht habe (was vorerst nicht passieren wird). Manch anderer aber schon. Genauso ist es mit dem weitgehenden Verzicht auf die Zeichenplatte. Versuchs mal ein Jahr lang, dann können wir uns gerne noch mal drüber unterhalten.

Alles andere werte ich jetzt mal als Ignoranz :zunge:

Gruß
Dieter ;)
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Re: Notwendigkeit des manuellen Zeichnens

Beitrag von Borcas »

*lach*

Das ist ja mal ne nette Reaktion.

Nochmal: Der Punkt ist nicht, dass ich nicht der Meinung bin, dass es ohne Platte auch geht.

Der Punkt ist, dass wir an der Hauptschule mit anderen Problemen zu kämpfen haben, als du an der RS. Mach mal'n halbes Jahr bei uns und versuche gleichzeitig den Schülern CAD zu vermitteln und nebenher die Projektionen, Konstruktionen, etc. einzutrichtern.

Allein um den Neuntklässern so ein wenig CAD beizubringen, so dass sie zum Quali wenigstens ein 3-Tafel-Bild eines einfachen 4-Kant-Prismas mit Veränderungen zusammenbringen, brauche ich mindestens Dreiviertel des Stundenumfangs, der für TZ zur Verfügung steht. Und da haben sie schon in der 7. und 8. TZ auf der Platte gehabt und KÖNNEN die Projektionen und Konstruktionsverfahren bereits.

Kannst du dir wirklich nicht vorstellen, dass die Kombination beider Dinge bei einem großen Teil unserer Schüler über die Fähigkeitsgrenze geht? Und schließlich wollen wir ja alle zum Quali trimmen...

Und das ist der Punkt.
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Re: Notwendigkeit des manuellen Zeichnens

Beitrag von MarkusA »

Ich finde, dass man erst beim manuellen Zeichnen die Regeln des Technischen Zeichnens richtig lernt und verinnerlicht. Ich denke da z.B. an Linienarten, Linienbreiten, Symbole usw. Und nur wer die Regeln verinnerlicht hat, kann auch fertige Zeichnungen lesen und verstehen.
Ist zumindest meine Meinung dazu.
Wenn man nur in der CAD-Welt arbeitet, in der alles automatisch passiert, lässt man diese Dinge gerne unbeachtet. Nach dem Motto: Wozu sollte ich wissen wie dick diese Linie zu zeichnen ist - macht doch eh das Programm.
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Re: Notwendigkeit des manuellen Zeichnens

Beitrag von Edelweiss »

hmmm...


und?

wie schauts aus?
wer macht jetzt noch mit der platte?

i bin a am überlegen, ob i des ned weglass. aber der einstieg is halt dann a wichtiger punkt.

in dem mit der vorstellung stimm i voll zu: ohne vorstellungskraft geht nix

vg, alfons
:) Erstmal an mir arbeiten,
dann die Anderen verbessern.. :cool:
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OT

Beitrag von tabsi »

wenn du jetzt noch Schriftdeutsch schreiben würdest, könnte ich dich besser lesen ;)

tabsi

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