Kurzschrift im Differenzierungsbereich

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Re: Kurzschrift im Differenzierungsbereich

von Lenz » 11.08.2015 11:46

Dazu fällt mir übrigens eine Geschichte ein. Ich kenne eine Fachlehrerin, die Mitte der 90er-Jahre ihr Examen machte. Sie gehörte somit zu den letzten Jahrgängen, die noch die Lehrbefähigung für das Fach Kurzschrift erwerben konnten/mussten. Diese Kollegin hat nach ihrem Examen nie mehr Kurzschrift unterrichtet. Deshalb hat sie sich, gemeinsam mit einer anderen Fachlehrerin, für das Fach Wirtschaftsinformatik weiterqualifiziert (Erweiterungsprüfung im Jahr 2005).

Die beiden Damen haben allerdings dieses Fach im Anschluss nicht unterrichten dürfen, da dieses Fach (so die Begründung ihrer Schulleitung) nur in Ausnahmefällen von Fachlehrern unterrichtet werden soll und die studierten Lehrer deshalb ein größeres Anrecht auf dieses Fach haben. Somit unterrichten die beiden Damen bis heute ausschließlich TV, obwohl sie offiziell die Lehrbefähigung für drei Fächer besitzen. Es wundert mich schon fast, dass wir Fachlehrer überhaupt bezahlte Ferien kriegen ;)

Re: Kurzschrift im Differenzierungsbereich

von Lenz » 11.08.2015 10:52

Stenografie ist durchaus eine praktische und sinnvolle Arbeitstechnik. Allerdings ist das Erlernen sehr mühevoll und zeitaufwändig. Auch deshalb wird das Fach noch nicht mal mehr als Wahlfach angeboten. Die letzten ausgebildeten Stenolehrer unterrichten bei uns alle nur noch TV.

Re: Kurzschrift im Differenzierungsbereich

von mara29 » 31.07.2015 22:55

Ich bin auch noch eine Stenolehrerin und bedaure es im Moment wieder neu, dass ich dieses Studienfach nicht unterrichten kann. Aktuell bin ich im Begriff, über die Volkshochschule einen Stenokurs aufzubauen. Viele Grüße mara29

Re: Kurzschrift im Differenzierungsbereich

von Finchen87 » 24.05.2012 12:58

In der Realschule habe ich selbst noch Steno gelernt. Das Fach hieß da noch Textverarbeitung und bestand zur Hälfte aus Steno und zur anderen Hälfte aus PC-Arbeit, aber da nur Word. Also Briefe schreiben und ein bisschen Dokumentgestaltung. Mit der zweiten Hälfte habe ich immer die schlechten Noten aus der ersten ausgeglichen. ;D

Nach drei Jahren Unterricht in diesem Fach konnte ich trotzdem nicht schnell genug schreiben um ein Diktat aufzunehmen. Ich fand das Fach grässlich und langweilig und sinnlos.

Jetzt, vom Podest meiner reichen Erfahrungen herunter kann ich sagen, dass es manchmal schon nützlich wäre, Steno zu können. Aber der Übungs- und Lernaufwand steht in keinem Verhältnis zu den Vorteilen, die ich darin sehe.

Besser als Steno-Unterricht an allgemeinbildenden Schulen wäre ein verpflichtender Unterricht im Tastschreiben, also auch am Gymnasium. Denn ich habe schon mehr (ehemalige) Studenten darüber klagen hören, kein Tastschreiben zu können und somit bei Haus- Diplom- und Masterarbeiten lange und mühsam vor sich hin zu tippseln als darüber, in Vorlesungen und Besprechungen nicht schnell genug mitschreiben zu können.

Re: Kurzschrift im Differenzierungsbereich

von Borcas » 09.03.2012 23:37

Ok... das sehe ich jetzt etwas differenziert.

Kann mich noch erinnern, als es einst hieß, Tastaturen und Maus würden "bald" aus dem gewohnten PC-Umfeld verschwinden, denn Sprachsteuerung würde beides ersetzen.

Und nun, kaum 15 Jahre (oder so) später? Schau an! Wir arbeiten kaum mehr mit Tastatur und Maus... *lach*

Sehe aber auch, dass das von Flo angesprochene Problem des nicht funktionierenden Diktiergerätes im Hörsaal mit Webcam in jedem Laptop heutzutage auch nicht mehr präsent ist. Zum Glück können wir die Zukunft nicht planen. Vielleicht sprechen wir in 10 Jahren tatsächlich alle in unser Telefon, vielleicht schreiben wir wieder Steno, vielleicht pulen wir uns auch wieder mit abgebrochenen Ästchen Essensreste aus den Zähnen.

Hach, was für eine schöne Welt, in der die Zukunft sich noch selbst entwickeln darf...

Re: Kurzschrift im Differenzierungsbereich

von Tanja » 09.03.2012 20:59

In Zeiten von "Siri" ist Steno komplett überflüssig - meiner Meinung nach. Und Siri ist vermutlich erst der Anfang. ;D

Re: Kurzschrift im Differenzierungsbereich

von Borcas » 09.03.2012 12:10

Von Weitblick will ich gar nicht sprechen. Sagen wir einfach, aus einer anderen Perspektive.

Wir haben eben unsere ganz eigenen Erfahrungen gemacht. Und egal mit wem ich mich unterhalte, der Steno an einer Realschule unterrichtet hat, meist höre ich dieselben Meinungen.
- Schüler demotiviert
- Fach zu trocken
- Zum Glück wurde das bei uns abgeschafft

Gerne haben wir dir weitergeholfen.

Re: Kurzschrift im Differenzierungsbereich

von Lenz » 09.03.2012 11:17

Ich komme aus der kaufmännischen Praxis und unterrichte ausschließlich im berufsbildenden Bereich. Somit verbinde ich solche Gedanken natürlich auch immer mit meiner Erfahrung/meinem Aufgabenbereich. Als Lehrer an Regelschulen seht ihr die Sache natürlich mit mehr "Weitblick". Kann man das so sagen?

Ich danke euch jedenfalls für eure Antworten.

Re: Kurzschrift im Differenzierungsbereich

von strojumi » 08.03.2012 21:18

ich finde es prima, dass Carsten meine Gedanken zu Papier bringen kann :ja: , das erspart es mir, mein altersschwaches Hirn mehr als unbedingt notwendig anzustrengen :lach:

Ich gehöre noch zu der alten Garde, die in der Schule Steno lernen mussten (durften?) Übermäßig schwierig empfand ich es nicht, anfangs hat es sogar Spaß gemacht. Allerdings hatte ich bereits zu jener Zeit Zweifel, ob ich diese "Kunst" jemals beruflich nützen kann. Zumindest konnte mir mein damaliger Stenolehrer noch erklären, man bräuchte Kurzschrift z.B. als Sekretärin oder Gerichtsschreiber oder Protokollführer. Da war der Käse für mich gegessen, denn die Vorstellung, eines Tages im Büro zu enden, war für mich unerträglich und somit schnell der Beschluss gefasst, dieses Fach abzuwählen ;)
Dies ist jetzt ca 45 Jahre her und ich kann nicht behaupten, während dieser Zeit auch nur ein einziges Mal diesen Entschluss bereut zu haben.

Re: Kurzschrift im Differenzierungsbereich

von outback-chris » 08.03.2012 16:19

Bravo Carsten,

das sehe ich genau so ... ich hätte es nur nicht so gut beschreiben können, du Wortakrobat ;D

Liebe Grüße

Re: Kurzschrift im Differenzierungsbereich

von Borcas » 08.03.2012 08:05

Glaube, du hast mich falsch verstanden.

a) der persönliche Nutzen ist kaum gegeben, da das, was unsere Schüler in der Schule an Steno lernen (können), nicht ausreicht, um es wirklich sinnvoll einzusetzen. Früher wurde hier an Berufsschulen angeknüpft und so eine Fähigkeit vermittelt, die wirklich praktisch nutzbar war.

--> d. f. es müsste zumindest einen Ansporn dadurch geben, dass das "Können" einen Vorteil beim beruflichen Einstieg bietet und

b) das tut es heutzutage nicht mehr. Deshalb sehe ich Steno nicht als sinnvoll an. Du wolltest unsere Meinungen hören. Ich persönlich halte das Fach für absolut überholt.

Übrigens hinkt der Vergleich mit Fächern wie Geschichte, etc. Denn diese Fächer vermitteln Grundwissen, das allen Schülern einer Schulgattung zugänglich gemacht wird (deshalb meine Betonung auf "Allgemeinbildenden"). Steno hingegen vermittelt ein Spezialwissen wie TV, Werken, Soziales, etc. Das vermittelte Spezialwissen in den anderen Bereichen zielt aber ganz genau auf eine berufliche Ausrichtung ab.

Wir haben also
1. Fächer, die ein allgemeinbildendes Grundwissen vermitteln und allen Schülern zugänglich sind.
2. Fächer, die einen praktischen Nutzen als Spezialwissen in der jeweiligen Fachrichtung bieten.

Steno gehört (heutzutage) keinem der beiden Bereiche mehr an.

Re: Kurzschrift im Differenzierungsbereich

von Lenz » 08.03.2012 06:26

Borcas hat geschrieben:Wo wird Steno heute noch verlangt? Wofür brauche ich es tatsächlich? Welchen Nutzen bringt mir eine Grundausbildung in diesem Fachbereich für meinen späteren beruflichen Werdegang? Also: Welche Firma legt heute noch Wert darauf?
Ja lernen wir in der Schule für den Beruf oder für das ganze Leben? Gerade an allgemeinbildenden Schulen sollte man nicht nur die bloße Berufsorientierung im Auge haben! Wollen wir unsere Schüler denn nur noch für die Wirtschaft tauglich machen? Außerdem müssten dann ja sämtliche Fächer vom Plan verschwinden, denn in welchem Beruf brauche ich denn bitte UNBEDINGT Geschichte, Reli oder Erdkunde?
Borcas hat geschrieben:Denn wenn es nur um den privaten Nutzen geht, dann hat Steno als Fach an allgemeinbildenden Schulen einfach nix mehr verloren.
Es geht dabei vielmehr um den beruflichen Nutzen. Und auch wenn es nicht verlangt wird, so werden solche sog. Nice-to-have-Qualifikationen gerne gesehen.

Re: Kurzschrift im Differenzierungsbereich

von Borcas » 07.03.2012 22:11

Ja, das ist nicht die Frage. Klar ist Steno für jemanden der es wirklich kann, eine nützliche Hilfe. Wobei die wenigsten unserer Schüler in der Schule genügend Steno lernen, um es im Alltag wirklich zu gebrauchen. Die wenigen Leute, die ich kenne, die Steno tatsächlich für alltägliche Notizen anwenden, sind Sekretärinnen/Bürokräfte des alten Schlags, für die das früher noch ins berufliche Anforderungsprofil gehört hat und eben unsere Fachkollegen, die das Fach wirklich länger unterrichtet haben. Habe noch nie jemanden getroffen, der Steno wirklich nutzt und mir dann gesagt hat: "Ach, das hab' ich mal in der Schule gelernt und fand es nützlich!"

Was mich aber vielmehr interessieren würde, was auch das ist, was ein Schüler gern wissen will und ich vermute mal, auch das, worauf Strojumi die ganze Zeit hinaus will ist:
Wo wird Steno heute noch verlangt? Wofür brauche ich es tatsächlich? Welchen Nutzen bringt mir eine Grundausbildung in diesem Fachbereich für meinen späteren beruflichen Werdegang? Also: Welche Firma legt heute noch Wert darauf?

Denn wenn es nur um den privaten Nutzen geht, dann hat Steno als Fach an allgemeinbildenden Schulen einfach nix mehr verloren. Erst recht nicht im Zuge der in ihrer Wichtigkeit zunehmenden Berufsorientierung.

Re: Kurzschrift im Differenzierungsbereich

von Lenz » 07.03.2012 21:29

strojumi hat geschrieben:Mich würde grundsätzlich interessieren wo Kurzschrift heute noch Verwendung findet (außer vielleicht im Hörsaal)
Als Lehrer kannst du es natürlich gut als Notizschrift in Konferenzen und auf Fortbildungen nutzen.

Ansonsten ist es überall dort einsetzbar, wo viel gesprochen und mitgeschrieben wird z. B. Besprechungen, Seminare, Verhandlungen, Kongresse, Telefonate etc.

Weil Steno so platzsparend ist eignet es sich auch gut für kleine Merkblätter sowie für Kalender- und Notizbucheinträge.

Re: Kurzschrift im Differenzierungsbereich

von strojumi » 07.03.2012 07:57

Lenz hat geschrieben:
Ob es im Alltag etwas bringt? Sagen wir mal so, ich halte Steno für wesentlich brauchbarer, als so manche Inhalte aus dem Fach Textverarbeitung - oder auch Deutsch oder Mathe.
Mich würde grundsätzlich interessieren wo Kurzschrift heute noch Verwendung findet (außer vielleicht im Hörsaal)

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